Seltsam steif

Irgendwann musste ich feststellen: Ein Mann, der alleine lebt, hat keine Morgenlatte mehr.
Wozu auch. Es gibt keine Verwendung dafür. Mutter Natur ist gnädig, sie lässt ihre Loser nicht leiden.
Dass ich dennoch mit dieser 'Seltsamkeit' heute Morgen aufgewacht bin, hat eine literarische Ursache. Ich habe vor dem Einschlafen in Bukowski’s Women einige Kapitel gelesen. Bei ihm gehen die jungen Hühner aus und ein. Kommen aus freien Stücken. Lassen sich ohne großes Theater vögeln. Das ist nicht ohne Wirkung geblieben.
Der Poet aus der Gosse macht es vor, wie‘s geht. Mit Leidenschaft und Ausdauer an einer Sache dranbleiben, trägt früher oder später Früchte. Ein Nummer 1-Hit oder in fetten Lettern auf Bestsellerseller-Liste ganz oben zu stehen, macht begehrenswert – so begehrenswert, dass man mit dem Wechseln der Bettwäsche nicht mehr nachkommt.
Und wenn ich jetzt den dummen Trostspruch vernehmen sollte: 'Es ist nie zu spät', ruf ich zurück: 'Doch! Es ist zu spät!'
In ein paar Wochen beginnt mein neues Lebensjahr mit der Fünf davor. Dann ist mein Schicksal endgültig besiegelt.

Vögeln für die Gesundheit

Wer bumst hat mehr vom Leben. So könnte man in kurzen Worten das Ergebnis australischer Forscher zusammenfassen. Sie haben herausgefunden, dass Männer ihr Prostatakrebs-Risiko erheblich senken, wenn sie zwischen 20 und 30 fünf Mal die Woche erfüllten Sex haben. Super. Das nützt mir jetzt auch nichts mehr. Ich bin nicht mehr 20 und Frau habe ich auch keine. Alles zu spät. Es bleibt nur die vage Hoffnung, dass exzessive Masturbation in der Vergangenheit einen ähnlich positiven Effekt haben wird.

Ein Nachmittag zu zweit

Im ersten Moment weiß man nicht, was man sagen soll, obwohl man sich per E-Mail schon Vieles gesagt hat. Die erste Verlegenheit war aber nach ein paar Floskeln überwunden. Das Kribbeln im Magen verflogen, nachdem mein unwillkürlicher Reflex auf den Modus 'Freundschaft' geschaltet hatte. Es war immer schon so: In der ersten Sekunde einer Begegnung mit einer Frau fällt die Entscheidung, ob es meinerseits bei freundschaftlichen Gefühlen bleibt oder ob ich das nächst höhere Level ins Auge fasse, weil ich erotisches Begehren verspüre.

Es entfaltete sich gemütlicher Regennachmittag mit Prosecco, Musikhören, Gesprächen, in denen komplizierte Familiengeschichten gestreift wurden, verpassten Chancen nachgehangen oder einfach nur in die Stille gelauscht wurde.

Mit dem letzten Zug fuhr sie nach Hause. Mit ihr ihre Träume und Sehnsüchte.

In einer Sms und E-Mail von ihr kam noch sehr viel Wertschätzung zurück zu mir.
Es ist der Beginn einer Freundschaft, denke ich.

Ankunft morgen

Es ist soweit: Nach über einem Dutzend E-Mails und zwei Telefonaten, kommt die Frau morgen. Ein Blind Date. Ich hasse Blind Dates. Und nun bin ich erst wieder in eines geraten, weil ich ein höflicher Mensch bin und nicht kundgetan habe, dass ich diese Form der Begegnung am allerwenigsten schätze. Zu spät!

Ich werde am Bahnhof warten. Wegen der Ungewissheit, ob eine Prinzessin die Rolltreppe hoch kommt oder Dresden '45, wird sich das eine oder andere Tröpfchen Schweiß durch die Poren quetschen.

Bei der Frau sind die Dinge anders gelagert. Sie freut sich schon.

E-m@il für mich

Love is in the air ♫ summte mein Freund ins Telefon und brach dabei in heiteres Lachen aus. Er wusste bereits, dass seine Arbeitskollegin (die was für mich wär) mir eine kurze Mail geschrieben hatte.
Weil ich nicht als Arschloch dastehen wollte, verfasste ich ein paar lockere Zeilen als Antwort…

Das Geplänkel beginnt.