Gute Nacht Twodayville

Tagelang war Twodayville von der virtuellen Außenwelt abgeschnitten. Und? Hat uns jemand vermisst? Ich schätze nicht. Twodayville hat schon glanzvollere Tage gesehen. Vorbei sind die Zeiten, als Twodayville zu den größten deutschsprachigen Weblog-Plattformen zählte. Die Gründungsväter haben lange schon kein Interesse mehr an ihrer einst aufstrebenden Community.
Nach Netz- und Serverausfällen wieder den Anschluss an die Welt herzustellen, ist für sie eher eine lästige Pflicht als ein Auftrag. Den Herausforderungen der Zukunft hat man sich nie gestellt. Das Bewahrende wurde über die Modernisierung gestellt, die nur mit Kosten und Engagement verbunden gewesen wäre. Nun blättert die Farbe ab, der Glanz verblasst.
Viele Schreibstätten sind bereits geschlossen, die Betreiber weitergezogen. Neuankömmlinge sind hier nicht mehr erwünscht. Das Recht auf Sesshaftigkeit wird ihnen verwehrt. Man wartet, bis der letzte mit seinem literarischen Hab und Gut von dannen zieht und das Licht ausmacht. Dann wird es für immer Nacht in Twodayville.

Palazzo di Amore

Wem die Heimat in der schöngeredeten Multikulti-Welt Stück für Stück weggenommen wird, der träumt, wie ich, von einem Stückchen heiler Welt, fern von Kriminalität, Verwahrlosung, und dem lärmenden Pöbel.
Angebote zum Entkommen gibt es, wie zum Beispiel den Palazzo di Amore in Beverly Hills – nur: Es fehlen die Millionen für den Kauf.

Der Tag X

Junge und schöne Geschöpfe, deren Welttag gefeiert wurde, stöckelten durch die Samstagnacht. Lange Beine, Miniröckchen, Stiefelchen…ein Traum aus 1000 und 1 Phantasie. Natürlich war keine alleine unterwegs, denn solche Frauen werden bereits mit einem Freund geboren. Dereinst waren meine Träume auch von diesen Wesen bevölkert, aber eben nur die Träume. Der erhoffte Tag X, an dem das Schicksal mir eine zuteilen würde, kam nicht.
Die Jahre vergingen. Die Hoffnung schwand. Übrig blieb das öde Gefühl einer unvoll-ständigen Jugend.
Heute wie damals bin ich bloß der Zuschauer meines Lebens.

Schlappe 50

Ein paar Tage noch. Dann stehe ich mit schlappen 50 vor dem Tor zum Alter. Dahinter dauert das Leben keine Ewigkeit mehr. Es wird gefährlicher. Die ersten sterben oder sind bereits unter der Erde. Worauf kann man sich also freuen? Auf die schönen Seiten des Alters? Was ist schön daran, von Jahr zu Jahr hässlicher zu werden. Wenn die müden Knochen sich dem Willen zu widersetzen beginnen und irgendwann ganz versagen. Der Raum sich ringsum zusammenzieht.
Das Leben schlägt die letzten Kapitel auf. Irgendwann geht der letzte Sommer in den Herbst über, das Pendel der Uhr bleibt stehen. Und nichts bleibt. Nur ein paar virtuelle Blähungen im World Wide Web.
Woran richte mich von nun an aus? An der gleichen Beschaulichkeit wie bisher? Vermutlich. Nur eine Spur müder (man ist schließlich nicht mehr der Jüngste).
Aber noch ist es nicht finster. Die Welt dreht sich, und ich drehe mich mit ihr. Einen besseren Plan habe ich nicht.

Seltsam steif

Irgendwann musste ich feststellen: Ein Mann, der alleine lebt, hat keine Morgenlatte mehr.
Wozu auch. Es gibt keine Verwendung dafür. Mutter Natur ist gnädig, sie lässt ihre Loser nicht leiden.
Dass ich dennoch mit dieser 'Seltsamkeit' heute Morgen aufgewacht bin, hat eine literarische Ursache. Ich habe vor dem Einschlafen in Bukowski’s Women einige Kapitel gelesen. Bei ihm gehen die jungen Hühner aus und ein. Kommen aus freien Stücken. Lassen sich ohne großes Theater vögeln. Das ist nicht ohne Wirkung geblieben.
Der Poet aus der Gosse macht es vor, wie‘s geht. Mit Leidenschaft und Ausdauer an einer Sache dranbleiben, trägt früher oder später Früchte. Ein Nummer 1-Hit oder in fetten Lettern auf Bestsellerseller-Liste ganz oben zu stehen, macht begehrenswert – so begehrenswert, dass man mit dem Wechseln der Bettwäsche nicht mehr nachkommt.
Und wenn ich jetzt den dummen Trostspruch vernehmen sollte: 'Es ist nie zu spät', ruf ich zurück: 'Doch! Es ist zu spät!'
In ein paar Wochen beginnt mein neues Lebensjahr mit der Fünf davor. Dann ist mein Schicksal endgültig besiegelt.