Der Tag X

Junge und schöne Geschöpfe, deren Welttag gefeiert wurde, stöckelten durch die Samstagnacht. Lange Beine, Miniröckchen, Stiefelchen…ein Traum aus 1000 und 1 Phantasie. Natürlich war keine alleine unterwegs, denn solche Frauen werden bereits mit einem Freund geboren. Dereinst waren meine Träume auch von diesen Wesen bevölkert, aber eben nur die Träume. Der erhoffte Tag X, an dem das Schicksal mir eine zuteilen würde, kam nicht.
Die Jahre vergingen. Die Hoffnung schwand. Übrig blieb das öde Gefühl einer unvoll-ständigen Jugend.
Heute wie damals bin ich bloß der Zuschauer meines Lebens.

Schlappe 50

Ein paar Tage noch. Dann stehe ich mit schlappen 50 vor dem Tor zum Alter. Dahinter dauert das Leben keine Ewigkeit mehr. Es wird gefährlicher. Die ersten sterben oder sind bereits unter der Erde. Worauf kann man sich also freuen? Auf die schönen Seiten des Alters? Was ist schön daran, von Jahr zu Jahr hässlicher zu werden. Wenn die müden Knochen sich dem Willen zu widersetzen beginnen und irgendwann ganz versagen. Der Raum sich ringsum zusammenzieht.
Das Leben schlägt die letzten Kapitel auf. Irgendwann geht der letzte Sommer in den Herbst über, das Pendel der Uhr bleibt stehen. Und nichts bleibt. Nur ein paar virtuelle Blähungen im World Wide Web.
Woran richte mich von nun an aus? An der gleichen Beschaulichkeit wie bisher? Vermutlich. Nur eine Spur müder (man ist schließlich nicht mehr der Jüngste).
Aber noch ist es nicht finster. Die Welt dreht sich, und ich drehe mich mit ihr. Einen besseren Plan habe ich nicht.

Seltsam steif

Irgendwann musste ich feststellen: Ein Mann, der alleine lebt, hat keine Morgenlatte mehr.
Wozu auch. Es gibt keine Verwendung dafür. Mutter Natur ist gnädig, sie lässt ihre Loser nicht leiden.
Dass ich dennoch mit dieser 'Seltsamkeit' heute Morgen aufgewacht bin, hat eine literarische Ursache. Ich habe vor dem Einschlafen in Bukowski’s Women einige Kapitel gelesen. Bei ihm gehen die jungen Hühner aus und ein. Kommen aus freien Stücken. Lassen sich ohne großes Theater vögeln. Das ist nicht ohne Wirkung geblieben.
Der Poet aus der Gosse macht es vor, wie‘s geht. Mit Leidenschaft und Ausdauer an einer Sache dranbleiben, trägt früher oder später Früchte. Ein Nummer 1-Hit oder in fetten Lettern auf Bestsellerseller-Liste ganz oben zu stehen, macht begehrenswert – so begehrenswert, dass man mit dem Wechseln der Bettwäsche nicht mehr nachkommt.
Und wenn ich jetzt den dummen Trostspruch vernehmen sollte: 'Es ist nie zu spät', ruf ich zurück: 'Doch! Es ist zu spät!'
In ein paar Wochen beginnt mein neues Lebensjahr mit der Fünf davor. Dann ist mein Schicksal endgültig besiegelt.

Vögeln für die Gesundheit

Wer bumst hat mehr vom Leben. So könnte man in kurzen Worten das Ergebnis australischer Forscher zusammenfassen. Sie haben herausgefunden, dass Männer ihr Prostatakrebs-Risiko erheblich senken, wenn sie zwischen 20 und 30 fünf Mal die Woche erfüllten Sex haben. Super. Das nützt mir jetzt auch nichts mehr. Ich bin nicht mehr 20 und Frau habe ich auch keine. Alles zu spät. Es bleibt nur die vage Hoffnung, dass exzessive Masturbation in der Vergangenheit einen ähnlich positiven Effekt haben wird.

Ein Nachmittag zu zweit

Im ersten Moment weiß man nicht, was man sagen soll, obwohl man sich per E-Mail schon Vieles gesagt hat. Die erste Verlegenheit war aber nach ein paar Floskeln überwunden. Das Kribbeln im Magen verflogen, nachdem mein unwillkürlicher Reflex auf den Modus 'Freundschaft' geschaltet hatte. Es war immer schon so: In der ersten Sekunde einer Begegnung mit einer Frau fällt die Entscheidung, ob es meinerseits bei freundschaftlichen Gefühlen bleibt oder ob ich das nächst höhere Level ins Auge fasse, weil ich erotisches Begehren verspüre.

Es entfaltete sich gemütlicher Regennachmittag mit Prosecco, Musikhören, Gesprächen, in denen komplizierte Familiengeschichten gestreift wurden, verpassten Chancen nachgehangen oder einfach nur in die Stille gelauscht wurde.

Mit dem letzten Zug fuhr sie nach Hause. Mit ihr ihre Träume und Sehnsüchte.

In einer Sms und E-Mail von ihr kam noch sehr viel Wertschätzung zurück zu mir.
Es ist der Beginn einer Freundschaft, denke ich.